This article originally appeared in the Nr. 5 / 99 issue of BUDO KARATE in Germany

Jiu-Jitsu Brazil:

 

 

 

 

 

 

RICKSON GRACIE

 Hebelkraft, Flexibilität und das Gefühl für die “Lücken des Gegners” einen Kampf entscheiden können. Von daher ist Rickson Gracie auch ein Protagonist der weichen Kampfkunst.

“Rickson, der Familienmensch”

Rickson Gracie unterrichtet nicht nur Kampftechniken, sondern ermuntert seine Schüler auch dazu, sich mit gesunder Ernährung, “emotional control”, Yoga , Atemübungen und Spiritualität zu beschäftigen. Er lebt mit seiner Frau Kim und seinen vier Kindern in Los Angeles am Meer und geht – wann immer es ihm möglich ist – surfen oder schwimmen. Diese Nähe zum Wasser ist für ihn lebensnotwendig. Seine Schüler werden wie Familienmitglieder behandelt und werden auch oft zu ihm nach Hause eingeladen.

“Rickson, der Lehrer”

Rickson Gracie ist jedoch nicht nur ein genialer Kämpfer, sondern ebenfalls ein sehr guter Lehrer. Er revolutionierte das Unterrichtssystem des alten Gracie-Stils und entwickelte aus seinen Erfahrungen, die er in zahllosen realistischen Kämpfen gewonnen hat, den Gracie-Familienstil weiter. Dies ist der Grund dafür, warum sogar Schwarzgurtträger und Weltmeister im Jiu-Jitsu der Gracies wieder bei ihm “in die Lehre gehen”, wie z.B. der Weltmeister im Brazilian Jiu-Jitsu Fabio Gurgel oder Ricksons Bruder Royler Gracie, um nur einige zu nennen.

“Sein Weg nach Deutschland”

Im Jahr 1994 führte Rickson Gracie durch eine Einladung seines deutschen Repräsentanten Andreas Hoffmann seinen Stil auch erstmals in Deutschland vor. Andreas Hoffmann, der in Hongkong zum Meister im Chi Sim Ving Tsun Kung Fu und Qigong ausgebildet wurde, erfuhr zunächst übers Internet von der enormen Kampfstärke der Gracies. Und so nahm er Anfang 1994 Kontakt zu Rickson Gracie auf und bat um ein Sparringstreffen. Rickson lud ihn in seine Villa ein und überzeugte den Deutschen gleichermaßen von seiner außergewöhnlichen Fähigkeit im Bodenkampf wie auch seiner beeindruckenden Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Bereits ein halbes Jahr später organisierte Andreas Hoffmann das erste Seminar der Gracies in Deutschland. Rickson legte dabei den Grundstein für seinen Familienstil, indem er die 70 Teilnehmer auf seine ganz eigene und außergewöhnliche Art verzauberte: Jeder Einzelne durfte gegen Rickson Gracie am Boden antreten! Diese Tatsache löste eine große Begeisterung aus, vor allem dann, als alle “Herausforderer” in sekundenschnelle abklopfen mußten.

“Siege im Minutentakt”

Doch dies ist überhaupt keine Schande, sondern ganz normal in einem Kampf gegen ihn. So mußten beispielsweise auf seinem Seminar in Paris mehr als 30 ihm unbekannte Schwarzgurtträgeraus anderen Stilen im “Minutentakt” nacheinander auf- geben. Bei Rickson Gracie lernt man aber nicht nur mit den Händen abzuklopfen: Oft sind Arme und Beine so “verknotet”, daß nur noch ein hektisches Blinzeln als Klopfzeichen funktioniert. Eine weitere Spezialität Ricksons ist es, nur mit den Beinen zu kämpfen: Selbst mit gefesselten Armen zwingt er seine Gegner zum Aufgeben. Oder er zählt laut bis Zehn, und genau bei der Zahl Zehn hat er den Gegner in einem vorher angekündigten Beendigungsgriff! Nach diesem und weiteren Seminaren entstanden in Deutschland verschiedene Übungsgruppen, die heute von Andreas Hoffmann, von Rickson persönlich oder von anderen Gracie-Schwarzgurtträgern aus der ganzen Welt betreut werden. Die Gracie-Kampfkunst steht derzeit jedoch in Deutschland noch ganz am Anfang. Die meisten Schüler und Interessenten sind bereits Praktizierende oder Lehrer ande- rer Kampfkünste. Alle sind willkommen und werden mit dem gebotenen Respekt behandelt. Denn aufgrund seiner Struktur ist das Jiu Jitsu von Rickson Gracie mit anderen Kampfkünsten durchaus zu vereinbaren…

Text:A.H./F.B. Fotos: Archiv BUDO-Karate u. A. Hoffmann